6.02.07 08:43 Alter: 10 yrs

Das Gesundheitszentrum Berg steht auf der Kippe


Investor Ruland will umplanen, wenn er keinen Betreiber für sein Viersternehotel findet - Stadt droht mit neuer Ausschreibung 


Das geplante Gesundheitszentrum in Berg kämpft mit Problemen. Der Investor Ruland hat bisher keinen Hotelbetreiber gefunden, denkt deshalb über Alternativen nach. Bürgermeister Föll hat nun ein Ultimatum gestellt. Notfalls schreibe er das Projekt neu aus.

Von Mathias Bury und Jörg Nauke

Stuttgart hat nach Budapest das zweitgrößten Mineralwasservorkommen Europas. Seit Langem schon will die Stadt mit diesem Pfund stärker wuchern. Ein wichtiges Vorhaben auf dem Weg dahin soll das privat finanzierte Gesundheits- und Hotelzentrum beim Mineralbad Berg sein. Investor Hans Ruland (80), Eigentümer von drei Kliniken, hat im Juni 2005 sein 60-Millionen-Euro-Projekt vorgestellt: ein Gesundheits- und Therapiezentrum mit 9900 Quadratmeter Geschossfläche und ein Viersternehotel mit 220 Zimmern, Tagungs- und Wellnessbereich (8600 Quadratmeter). Am gemeinsamen Platz von Mineralbad Berg und Gesundheitszentrum soll ein 2000 Quadratmeter großes Fitness- und Wellnesszentrum entstehen.

Die Firma Drees & Sommer, verantwortlich für die Koordination des Projekts, ging damals von einem Baubeginn im vierten Quartal 2006 und einer Inbetriebnahme Ende 2008 aus. Stand heute ist klar, dass Ruland das Gesundheitszentrum betreibt, und auch für die Wellnessoase ist der Vertrag unterschrieben. Doch das Bebauungsplanverfahren ist noch nicht in Gang gebracht worden.

Das große Problem ist das Hotel. Die Aussage des Investors, er werde bis Ende 2005 einen Betreiber gefunden haben, hat sich als zu optimistisch herausgestellt. Der Geschäftsführer von Drees & Sommer, Roland Huber, sagt, er habe es bisher nicht geschafft, den auswärtigen Interessenten klar zu machen, welche Attraktivität der Standort bei den Mineralquellen habe. Problematisch seien die Erreichbarkeit und die Einsehbarkeit. "Den Betreibern von Großhotels ist die Erschließung in Berg einfach zu kleinräumig", verdeutlicht der verantwortliche Architekt Michael Weindel. Das Hauptproblem sei die enge Steubenstraße, über die der gesamte Verkehr in diesem Gebiet fließt.

Als problematisch werden auch das neue dreistöckige Leuze-Parkhaus und die Parkplatzbewirtschaftung der Stadt auf der Nordseite betrachtet. "Das knallt uns die ganze Norderschließung weg", sagt Weindel. Für ein großes Hotel mit regem Bus- und Taxiverkehr seien diese Verhältnisse unzureichend; außerdem orientierten sich die Hotelketten eher in Richtung Fildermesse. "Am guten Willen fehlte es wirklich nicht," sagt Weindel. Auch Huber hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Man verhandele derzeit mit zwei ernsthaften Interessenten, Ende Februar wisse man mehr. Insgesamt befinde sich das Projekt aber auf einem guten Weg. Er betont auch, dass Hans Ruland die Angelegenheit mit großem persönlichem Engagement betreibe und das Zentrum nach Fertigstellung nicht verkaufe, sondern selbst betreibe.

Aber es gibt einen Alternativplan. Dem Investor schwebt schon vor, "ein individuelles Hotel mit 80 bis maximal 100 Zimmern zu bauen", sagt Weindel. Notfalls würde Ruland diesen Betrieb selbst betreiben. Als Ergänzung auf der disponiblen Grundstücksfläche kann sich der Architekt ein so genanntes Boardinghouse vorstellen: das sind Appartements, die kurz- und mittelfristig vermietet und durch das Hotel versorgt würden.

Wohnungsbau statt eines repräsentativen Viersternehotels - das stößt beim Ersten Bürgermeister Michael Föll (CDU) auf Ablehnung. "Ich bin ja sonst immer für den Bau von Wohnungen", sagt Föll, "das Gelände neben dem Mineralbad Berg ist dafür aber zu schade". Die Stadt habe sich bewusst nicht auf eine bestimmte Anzahl von Zimmern festgelegt; unter 100 dürfte der Betrieb aber nicht mehr wirtschaftlich zu führen sein, glaubt Föll. Diesen Umfang hält er auch für notwendig, um im Städtetourismus mit den Themen Gesundheit und Mineralquellen wirklich punkten zu können.

Die Stadt habe Rulands Konzept inhaltlich befürwortet, weil man glaubte, mit ihm die städtischen Ziele am ehesten erreichen zu können. Föll geht weiter davon aus, "dass der Standort für Hotelbetreiber attraktiv ist". Er habe Ruland deshalb im Dezember die Haltung der Stadt klar gemacht: "Nicht ohne Hotel, und wir müssen in absehbarer Zeit mit dem Projekt vorankommen." Daran hat die Stadt schon deshalb ein Interesse, weil ihre Kur- und Bäderbetriebe den Erlös aus dem Grundstücksgeschäft benötigen (siehe Winkel), um ihre Verluste in Grenzen zu halten. Der Erste Bürgermeister winkt mit dem Zaunpfahl: Ruland sei gewiss nicht der Einzige, mit dem man an diesem Standort ein Gesundheitszentrum bauen könnte.

Föll droht, das Vorhaben öffentlich auszuschreiben, um so neue Interessenten zu gewinnen. Das nächste Treffen am 12. Februar muss Klarheit bringen, Föll erwartet vier Tage danach im gemeinderätlichen Wirtschaftsausschuss eine Entscheidung. "Das Projekt ist auf einem guten Weg", meint Architekt Weindel. Im Zeitplan ist es längst nicht mehr. Vor 2008 kann der Bau nicht beginnen. (c) Stuttgarter Zeitung