9.01.08 13:11 Alter: 9 yrs

Bädertunnel von der Stadt ausgebremst - SN Artikel


Berger Bürger kämpfen für eine Entlastung ihres Viertels
 

In Stuttgarts größtem Bürgerverein, bei den Berger Bürgern, rauchen die Köpfe. Seit Jahren überlegen sie sich Lösungen für ein Verkehrsdilemma. Denn die größten Schätze des Viertels, die beiden Mineralbäder Leuze und Berg, sind gleichzeitig auch ihr größtes Problem.

VON DORIT PROTZE

In den letzten 30 Jahren hat sich die Zahl der Badegäste im Leuze von 190 000 auf heute 950 000 pro Jahr verfünffacht. Im Mineralbad Berg sind es zur Zeit etwa 300 000 Besucher jährlich. Zusammen mit den Gästen der Großveranstaltungen auf dem Wasen geht der Bürgerverein von rund 1,5 Millionen Besuchern im Jahr aus, die zum größten Teil mit dem Auto durch das Viertel fahren würden. Zur Verkehrsberuhigung hat die Stadt auf einer Länge von 500 Metern eine 30-km-h-Zone eingerichtet, außerdem dürfen nur Anwohner und Badegäste von der Poststraße am Parkhaus vorbei in Richtung Mineralbad Berg fahren. Das ist den Berger Bürgern aber nicht genug. Sie fordern eine separate Zufahrt zu den Bädern über einen eigenen Bädertunnel, der parallel zum Schwanentunnel liegen könnte. "Das würde eine erhebliche Entlastung unserer Straßen bedeuten", sagt Bernd Stimpfig, Vorstandssprecher des Bürgervereins. Vor drei Jahren haben Vereinsmitglieder, darunter Architekten und Stadtplaner, einen Grundriss ausgearbeitet, wie eine neue Verkehrsführung mit einem Bädertunnel aussehen könnte.

Das Amt für Stadtplanung und Stadtentwicklung hat diesen Rahmenplan geprüft und als technisch machbar eingestuft. Sechs Millionen Euro würde die Baumaßnahme eines Paralleltunnels kosten - für die Stadt ist das allerdings zuviel. Ihre Kosten-Nutzen-Analyse hat ergeben, dass sich das Projekt nicht rentiert, demnach vorerst nicht umgesetzt wird. "Eine seltsame Rechnung", meint Ulrich Möller, Vorstandsmitglied bei den Berger Bürgern, denn die Kosten der Anlage seien zwar in die Zukunft gerechnet worden, die Besucherzahlen jedoch nicht. "Außerdem ist das geplante Luxushotel- und Gesundheitszentrum auf dem benachbarten Gelände völlig außer Acht gelassen worden." Die Berger Bürger wollen einerseits den Verkehr in ihrem Stadtteil beruhigen - und andererseits eine der reichsten Mineralquellen Europas aufwerten. Nicht zuletzt die Stadt selbst zeigt sich im Internet auf ihr Wasservorkommen sichtlich stolz: "Kaum eine Großstadt ist von der Natur so reich beschenkt worden wie Stuttgart." Auch Ulrich Möller vom Bürgerverein Berg findet: "Das ist eine Perle Stuttgarts, aber daraus gemacht wird nichts", sagt er im Hinblick auf die seiner Meinung nach unzureichende Infrastruktur und das ungenügende Marketing. Die Berger Bürger haben "nach vier Jahren Kuschelkurs", so Bernd Stimpfig, die Nase voll.

Sie haben das Gefühl, als Verein, der etwas bewegen will und vernünftige Verbesserungsvorschläge macht, ausgebremst zu werden. Sie wollen nun jeden zukünftigen Bebauungsplan um die Mineralbäder Leuze und Berg sehr kritisch dahingehend überprüfen, ob diese neuen Konzepte für die Stadtteilbewohner akzeptabel sind, und nötigenfalls ihr Veto dagegen einlegen. (c) Stuttgarter Nachrichten