24.09.08 20:00 Alter: 9 yrs

Wohnungen statt Fernsehstudios


Stadtverwaltung kann sich den Abriss der Fernsehstudios vorstellen und will den Wohnungsbau an den Parkrand verlegen
 
Stuttgart - In den Planspielen für die Fernsehstudios im Park der Villa Berg gibt es eine neue Variante: Die Stadt könnte Investor Rudi Häussler einen Grundstückstausch vorschlagen. Ziel ist es, die Studios abzureißen und die Wohnungen am Parkrand zu bauen. Seit Monaten beschäftigen sich die Mitarbeiter des Stadtplanungsamtes und des Garten-, Friedhofs- und Forstamts immer wieder mit dem Park der Villa Berg. Seit der Südwestrundfunk (SWR) die Villa und seine Fernsehstudios dort an den Stuttgarter Investor Rudi Häussler verkauft hat, wird immer wieder geprüft, welche Entwicklungsmöglichkeiten es für den Park gibt, und welche Art von Bebauung unter welchen Voraussetzungen überhaupt möglich ist. Der Sendesaal ist denkmalgeschütztHäussler will, wie mehrfach berichtet, den denkmalgeschützten Sendesaal aus der Villa Berg entfernen, die Villa sanieren und einen Wirtschaftsclub sowie ein Restaurant dort einrichten. Anstelle der Fernsehstudios plant er den Bau von gehobenen Seniorenresidenzen in Form von Terrassenwohnungen mit einem umfangreichen Dienstleistungsangebot für die Bewohner. Genau um diese Wohnungsbaupläne kreisen offenbar die Gedanken der Stadtplaner.Zum Hintergrund: Als der Süddeutsche Rundfunk (SDR) in den 50er Jahren die Genehmigung für den Bau der Studiogebäude im Park bekam, wurde die Nutzung der Flächen im Planungsrecht an Bedingungen geknüpft. Die Flächen wurden als sogenannte Gemeinbedarfsflächen ausgewiesen, mit der Sondernutzung Rundfunk. Hätte jetzt beispielsweise der Privatsender RTL dem SWR die Gebäude abgekauft, um sie weiter für Rundfunkzwecke zu nutzen, würde der bestehende Bebauungsplan weiter gelten. Da Rudi Häussler dort aber Wohnungen plant, muss neues Planungsrecht geschaffen werden, sprich: ein neuer Bebauungsplan muss her.Genau da wäre ein Ansatzpunkt für die Stadtplaner. Der Park der Villa Berg wird gemeinhin als bedeutend eingestuft, sowohl aus historischer Sicht als auch für die Stuttgarter Grünflächenplanung insgesamt. Mittelfristig wäre vorstellbar, den früheren Park anhand vorhandener historischer Vorlagen zu rekonstruieren und so weiter aufzuwerten. Er wäre dann in den Verbund Unterer Schlossgarten und Rosensteinpark, also sozusagen in das grüne U der Stadt, eingebunden. Voraussetzung dafür wäre aber ein Abriss der Fernsehstudios und die Rückverwandlung der Flächen in Parkanlagen. Ersatzweise müsste dem Investor Häussler in einem Tauschgeschäft ein geeignetes Alternativgrundstück am Parkrand angeboten werden.Noch ist nichts verbindlichZurzeit prüfen die Stadtplaner, welche Möglichkeiten es dafür gibt. In ihrem Bericht, den sie voraussichtlich innerhalb der kommenden beiden Wochen den zuständigen Bürgermeistern vorlegen werden, wird detailliert aufgezeigt, welche Chancen und Risiken, welche Vor- und Nachteile ein Wohnungsbau anstelle der Fernsehstudios im Herzen des Parks oder am Parkrand haben würde. Uwe Stuckenbrock vom Stadtplanungsamt sagt: "Das sind ganz grundsätzliche Fragestellungen. Das wird alles untersucht, wir denken immer hin und her. Das hat aber alles keine Verbindlichkeit." Über mögliche Alternativstandorte für den Wohnungsbau am Parkrand will sich der Stadtplaner zum jetzigen Zeitpunkt nicht äußern.Die Studiogebäude mitten im Park der Villa werden voraussichtlich noch bis 2011 vom SWR genutzt. Erst wenn das neue Studiogebäude, das zurzeit in unmittelbarer Nachbarschaft zum Funkhaus an der Kuhnstraße gebaut wird, betriebsbereit ist, werden die in die Jahre gekommenen Studios im Park geräumt. Würden sie abgerissen, verbliebe neben der Villa Berg nur noch der sogenannte Gutbrod-Bau, der ebenfalls vom SWR genutzt wird, im Park. Auch dieses Gebäude, das zurzeit renoviert wird, steht unter Denkmalschutz, allerdings offenbar in Verbindung mit dem Sendesaal in der Villa. Sollte der Saal, wie von Häussler gewünscht, entfernt werden, könnte auch der Schutz des Gutbrod-Gebäudes mittelfristig in Frage gestellt werden. (c) Stuttgarter Zeitung