Wie alles angefangen hat.





Stuttgart ist heute eine Großstadt mit über 570.000 Einwohnern. Am Anfang war es nur ein Pferdehof: Der „Stutengarten“. Er hat der Stadt den Namen gegeben. Aber bis heute haben die Archäologen diesen geheimnisvollen „Stutengarten“ nicht lokalisieren können. Bei Grabungen im Monat November des Jahres 1972 suchte man ihn im heutigen Stadtzentrum in der Nähe des Schillerplatzes. Endgültige Beweise fand man aber auch damals nicht. So ist das Rätsel um die „Urzelle“ von Stuttgart nicht wirklich gelöst. Auf alten Stadtsiegeln sind schon früh zwei Pferde zu sehen. Sie weisen auf das Gestüt hin, das Herzog Ludolf von Schwaben angelegt haben soll. Um 950 soll das gewesen sein. Das heutige Stuttgarter Rössle spinnt diese Wappengeschichte fort.







Das Dorf Berg und seine Burg(en).



Damals war Stuttgart allenfalls eine bescheidene Siedlung im Talkessel. Rings umher lagen viele Dörfer. Und auf den Höhen erhoben sich über zwanzig Burgen. Berg war eines dieser Dörfer und lag als Burgsiedlung auf einem Felsen, 40 Meter hoch über dem Neckar. Als Burgherr erscheint 1241 Wolframus Miles de Berge. Das lateinische „miles“ steht für „Soldat“. Wir dürfen deshalb ableiten, dass es sich um einen Ritter gehandelt hat. Vom Dorf Berg aus, ist schon früh die Siedlung Gablenberg als „Ableger“ gegründet worden. Vielleicht ist noch eine zweite Burg - eine Wasserburg - auf dem Gelände des heutigen Mineralbades gestanden. Diese beiden Burgen sollten die vorbeiführende mittelalterliche Strasse, auch Königsstrasse genannt, sichern.

 

So, wie sich ein Puzzle zusammenfügt, so sind im Lauf der Zeit alle Dörfer rings um Stuttgart nach Stuttgart eingemeindet worden. In Berg wurde die Verwaltung 1836 an die Stadt Stuttgart übergeben. Damals zählte der Ort 783 Einwohner. Heute sind es etwa 2.000.


Was ist aus den Burgen geworden?



Sie sind wie fast alle Burgen rund um Stuttgart, spurlos verschwunden. In der Auseinandersetzung zwischen Rudolf von Habsburg und Graf Eberhard dem Erlauchten von Württemberg wurde die Höhenburg Berg im Jahr 1291 von dem habsburgischen Gefolgsmann Graf Albrecht von Hohenberg zerstört. Sie ist wohl nicht mehr aufgebaut worden. Offenbar sind die Herren von Berg früh ausgestorben. Ihr Besitz fiel an die Herrschaft Württemberg zurück. Von der „Wasserburg“ zeugten ohnehin nur sehr vage Fundamentfragmente.



Wasser auf die Berger Mühlen!



Geschichtlich gesehen ist Berg das vis a vis der einstigen römischen Siedlung Cannstatt. Dazwischen mäanderte der Neckar. Seine Seitenarme und Flussschlingen waren stellenweise sumpfig: Eine Brutstätte für Stechmücken! Deshalb hat man den Neckar im 19. Jahrhundert auch begradigt. Dabei gewann man neues Land. Der sogenannte Cannstatter Wasen, auf dem das berühmte Volksfest stattfindet, ist so entstanden.




Durch Berg selbst floss lange Zeit der „Mühlkanal“. Er ist möglicherweise das Überbleibsel eines alten Neckarlaufs gewesen. Das Wasser aus dem Mühlkanal trieb viele Mühlräder an. Der Kanal wurde vom Neckar gespeist, umfloss das Dorf Berg und mündete auf Cannstatter Gemarkung wieder in den Neckar. Berg war damals eine Insel. Am Kanal waren die Säg-, Walk-, Stampf-, Schleif- und Papiermühlen mit ihren Wasserrädern aufgereiht.




Über die Zahl der Mühlen gibt es nur ungenaue Angaben. Entlang des Mühlkanals, der am heute unter Denkmalschutz stehenden Gaskessel vom Neckar abzweigte und sich am Fuß des Mühlrains, dem Steilabfall des Höllschen Bühls zum Neckar hin, bis zum Einfluss in den Neckar oberhalb der Wilhelma hinzog, lagen wohl insgesamt neun Mühlen. Die Namen der Berger Mühlen sind im einzelnen nicht mehr bekannt.




Wenig oberhalb der Mühlen zweigte vom Mühlkanal der Floßkanal nach rechts ab. Er war künstlicher Natur. Auf ihm wurden lange Zeit Baumstämme auf dem Wasser transportiert. Beim Leuze-Bad gleich unterhalb der Mühlen verband er sich wieder mit dem Mühlkanal. Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde so, vorbei an den Berger Mühlen, Flößerei betrieben. Wenn das Langholz an seinem Bestimmungsort angekommen war, wurde es in sogenannten Holzgärten zum Trocknen aufgeschichtet. Der Weitertransport erfolgte dann auf dem Landweg. Der letzte Berger Holzgarten befand sich unterhalb der König Karls-Brücke. Er wurde 1823 aufgegeben. Auch der Mühlenkanal ist seit 1929 trocken gelegt. Als Straßennamen lebt er in der Erinnerung weiter.